Beikost

Essenlernen nach Maß


Bei der ersten Beikostmahlzeit haben Eltern hohe Ansprüche. „Für mein Baby soll es nur das Beste sein!“, wünschen Sie sich. Doch was bedeutet das? Muss es ab nun jeden Tag frisches Biogemüse und -fleisch vom Markt selbst zubereitet sein? Oder soll man doch lieber bequem auf Gläschen zurückgreifen, die kontrolliert zubereitet werden und nur noch aufgewärmt werden müssen? Und ab wann soll man nun wirklich beginnen?


Zeit, zu beginnen!

Im Alter von ca. 5 bis 6 Monaten zeigt Dir Dein Kind zumeist, dass es sich sehr für Ihr Essen interessiert. Experten empfehlen, nicht vor der 17. Lebenswoche bzw. nicht nach der 26. Lebenswoche zu beginnen. Das Kind soll also zumindest 4 Monate alt sein und spätestens Anfang des 7. Lebensmonats Nahrung vom Löffel probiert haben. Doch die Angabe dieser 2 Monate ist das Rahmenwerk. Wichtig ist es, beim tatsächlichen Beikostbeginn auf die Zeichen der Beikostreife Ihres Kindes zu achten:

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Zeichen dafür, dass das Kind bereit ist, feste Nahrung zu essen:

  • das Kind kaut mit, wenn du kaust und zeigt verstärktes Interesse an Deines Nahrungsaufnahme
  • es kann zwischen Daumen und Zeigefinger greifen und Dinge zum Mund führen
  • es kann schon relativ gut sitzen und sein Köpfchen halten
  • evtl. ist das erste Zähnchen bereits da
  • es öffnet den Mund, wenn Nahrung angeboten wird
  • es kann mit Hilfe der Lippen Essen von einem Löffel nehmen
  • der Zungenstoßreflex verflüchtigt sich, die angeboten Nahrung wird nicht gleich wieder aus dem Mund vorne heraus geschoben


Wenn Du mit der Beikost beginnst bleibt Muttermilch (oder PRE-Nahrung) die wichtigste Nährstoffquelle im 1. Lebensjahr. Prenahrung ist am Besten an das Nährstoffprofil der Muttermilch angepasst.


Stille weiter auch wenn das Kind schon gut mitisst:

  • Muttermilch gibt Energie.
  • Muttermilch enthält Abwehrstoffe.
  • Muttermilch ist „arteigene“ Milch und jeder Tiermilch vorzuziehen.
  • Muttermilch enthält Enzyme, die helfen die Beikost besser zu verdauen.
  • Muttermilch enthält das richtige Maß an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen.
  • Muttermilch ist aus allergiepräventiver Sicht zu empfehlen.
  • Muttermilch kann Zöliakie, Diabetes mellitus Typ 1 und Weizenallergie vorbeugen.
  • Und: Muttermilch schmeckt einfach gut!


Es soll solange begleitend zur Beikost oder später zur Familienkost weitergestillt werden, als Mutter und Kind es wünschen.


Beikost – Beginn des langsamen Abstillens

Wenn das Kind die Beikost akzeptiert und ca. 200 ml davon isst, kannst Du eine Stillmahlzeit mit Beikost ersetzen. So kann die Beikosteinführung ein langsames Abstillen bewirken.

Deine Milch wird dadurch jedoch weniger! Biete Deinem Kind die Brust weiterhin an und lasse das Kind nach dem Essen noch ein wenig an der Brust trinken, wenn Du weiterstillen möchten!

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Das schrittweise Einführen der Beikost

  • Die Tageszeit kann selbst gewählt werden. Meist wird mittags begonnen, weil dann das Baby nicht zu schläfrig und nicht zu hungrig ist.
  • Kinder lernen von Vorbildern. Eltern und Bezugspersonen sollen mit guten Beispiel vorangehen. Esse – wenn möglich – mit dem Kind gemeinsam.
  • Lasse das Baby zuerst am Schoß sitzen, es mag immer noch Körperkontakt gerne und kann meist noch nicht ganz selbstständig sitzen. Lasse Dein Baby nicht liegend essen und lasse es beim Essen nicht alleine, es besteht Verschluckungsgefahr.
  • Stille eventuell vorher, damit Dein Kind nicht ungeduldig und heißhungrig ist und damit die Brust auch weiterhin Milch produziert.
  • Achte auf Hungerzeichen (z.B. Hand zum Mund führen) und Sättigungszeichen (vehementes Kopf wegdrehen). Du steuerst die Mahlzeitenhäufigkeit.
  • Verwende einen kleinen weichen Löffel mit abgerundeten Kanten.
  • Beginne mit 1 bis 2 Löffel der ersten Nahrung. Steigere die Menge täglich etwas mehr, wenn das Kind dies will.
  • Wähle möglichst Zutaten aus biologischem Anbau oder Breie daraus.
  • Die erste Nahrung sollte sehr schonend gedünstet, warm, püriert und in kleinen Mengen gegeben werden.
  • Am Anfang wird alles fein püriert – wenn es die ersten Zähne bekommt, darf das Baby auch etwas gröber pürierten Brei bekommen.
  • Muttermilch und Wasser aus einem Becher sind als Durstlöscher jedem anderen Getränk vorzuziehen.
  • Manche Babys wollen lieber selber essen. Du kannst älteren Babys kleine Stückchen weichgekochter Karotten oder Kartoffel, Stück für Stück als Fingerfood anbieten.



Selberkochen oder Gläschenkost?

Bei Fertiggläschen unterliegt die Herstellung strengen gesetzlichen Kontrollen, alle Zutaten müssen auf dem Etikett angegeben werden. Es ist jedoch keine Hexerei mit etwas Anleitung selbst frischen Gemüse-Brei zu kochen.
Unser Ratgeber „Rezepte und Tipps für Babys Beikost“ bietet neben einen Beikostplan auch alle Rezepte für Babybreie Monat für Monat. Außerdem findest Du darin 30 schmackhafte Gerichte für den Umstieg zur Familienkost. Das schmeckt auch den Großen und ist im Nu für Eltern und Geschwister abgewandelt.
Der Vorteil vom Selberkochen liegt auf der Hand: Du kannst selbst entscheiden, welche Zutaten Du verwenden willst. Vor allem bei Kindern, die einzelne Zutaten nicht mögen oder nicht vertragen, ist es sinnvoll. Frisch zubereitete Beikost bietet außerdem eine größere geschmackliche Vielfalt und schmeckt vielen Kindern besser.

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Was ist beim Selberkochen zu beachten?

  • Verwende tagesfrische Lebensmittel bzw. Lebensmittel, die nur kurz im Kühlschrank gelagert wurden!
  • Bei nitratreichen Gemüsesorten wie Zucchini, Spinat, Wirsing, Fenchel und Sellerie ist darauf zu achten, dass es sich um Freiland- und nicht um Glashausgemüse handelt. Dann ist der Nitratgehalt niedriger.
  • Es lohnt sich, mehrere Portionen zuzubereiten und einzeln einzufrieren. Trennt man einzelne Komponenten des Breies, z.B. wenn Sie jede Gemüsesorte einzeln tieffrieren, so kannst Du später vielfältig kombinieren.
  • Wichtig ist auch die Hygiene. Reinige Deine Hände gut, tausche häufig Geschirrtücher und Spülschwämme. Putze Obst und Gemüse gründlich mit einer speziell nur dafür gebrauchten Bürste. Verwende für rohes Fleisch ein eigenes Schneidbrett und reinige es nach dem Gebrauch gründlich. Im Kühlschrank sollte Gekochtes immer über Rohem aufbewahrt werden.



Und womit soll man beginnen?

Klassiker ist die Karotte – sie ist leicht süßlich, sodass die Umstellung von der Mutter- oder Anfangsmilch auf feste Nahrung nicht so schwerfällt. Schmeckt sie gar nicht, kann man auch frisch gekochten Hokkaido-Kürbis oder Pastinake probieren. Letztere enthält allerdings weniger wertvolles Carotin. Der erste Brei soll eisen- und zinkreich sein. Nach 4 Tagen wird Pflanzenöl, anschließend Kartoffeln, nach weiteren 4 Tagen Fleisch und dann etwas Obstsaft als Breibestandteile eingeführt. Unter Umständen kann Fleischzubereitung aus dem Fertiggläschen zugefügt werden.

Das Öl dient zur Deckung des Energiebedarfs des Babys und der Versorgung mit essentiellen Fettsäuren. Wegen des besonders positiven Fettsäurenverhältnisses empfehle ich, Rapsöl zu verwenden. Es enthält z.B. zahlreiche wichtige Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, die essentiell sind.

Schon bald sollen kleine Mengen glutenhältigem Getreide angeboten werden. Wenige Teelöffel Baby-Haferflocken im Obstbrei haben sich bewährt.

Wie Du genau und stufenweise beginnen kannst erfährst Du in unseren beiden Ratgebern über die Ernährung im 1. Lebensjahr:
Essen und Trinken im Säuglingsalter“ gibt Ihnen nicht nur wertvolle Tipps rund ums Stillen, sondern auch – alternativ dazu – Hinweise zur Flaschenkost, wenn Du nicht Stillen kannst. Du findest darin einen Überblick der Milchnahrungen auf dem deutschsprachigen Markt. Vier Beikostpläne mit unterschiedlichen Beginnzeiten und Anforderungen werden ergänzt durch eine extra Gläschenübersicht – eine wertvolle Einkaufshilfe.
Rezepte und Tipps für Babys Beikost“ unterstützt Dich beim Zubereiten vom ersten Babybrei bis zum Umstieg auf Familienkost. Du findest darin auch Rezepte für den ersten Geburtstagskuchen. Erhältlich sind beide Ratgeber in unserem Sortiment in der Kategorie "Bücher".

von Mag. Ingeborg Hanreich, IBCLC (Ernährungswissenschaftlerin, Stillberaterin und Fachbuchautorin – www.hanreich-verlag.at)

Art.Nr.: 01700300
Marke: Toddler

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