Hausgeburt – wahnsinnig oder sinnvoll?

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Beschwerden

Für viele werdende Mütter mag sich das Thema „Hausgeburt“ erst einmal riskant anhören. Fragt man schwangere Frauen, wo sie entbinden wollen, kommt oft die Antwort: „Natürlich in einer Klinik, am besten mit angeschlossener Neonatalstation, damit das Kind im Fall aller Fälle versorgt werden kann. Alles andere ist doch gefährlich!“ Im Krankenhaus fühlt man sich durch die viele Apparatetechnik sicher. Die Möglichkeit im Notfall einen Kaiserschnitt machen zu lassen und immer unter ärztlicher Kontrolle zu sein, gibt vielen Frauen ein Gefühl der Sicherheit. \r\n\r\nAber ist das wirklich so? \r\n\r\nMal abgesehen von den Krankenhauskeimen, die man sich dort einfangen kann, scheint die Argumentation erst einmal logisch. Trotzdem hat man in der Klinik immer das Gefühl, dass man etwas Krankhaftes hat. Aber eine Geburt ist etwas zutiefst Natürliches, was sicherlich auch mit Risiken behaftet ist. Das will niemand abstreiten. Doch gefährlich und verantwortungslos, wie Hausgeburten manchmal hingestellt werden, sind sie nun wahrlich nicht. \r\n\r\nWelche Mütter entscheiden sich letztendlich für eine Hausgeburt? \r\nNiemand wird eine Mutter zur Hausgeburt drängen oder überreden. Ohne ein gewisses Vertrauen in die eigenen Kräfte und das Wissen, dass man eine Geburt gut bewältigen kann, wird sich keine Frau dazu entscheiden. Die Frauen, die die relative Sicherheit (nichts ist 100 % sicher) der Klinik für sich und ihr Kind brauchen, werden diese auch in Anspruch nehmen. Es ist deshalb für werdende Mütter gut, ihrem Bauchgefühl auch bei dieser Entscheidung zu folgen. \r\n\r\nWas spricht für eine Hausgeburt? \r\nÜberraschend viel! Zuerst einmal spielt die intime Atmosphäre zu Hause eine große Rolle. Die Geborgenheit und Sicherheit der eigenen vier Wände ist die eine Seite. Schlechte Erfahrungen in der Klinik bei vorangegangenen Geburten ist die andere. Dass man sich die Hausgeburtshebamme aussuchen kann und mit ihr während der ganzen Schwangerschaft zu tun hat, ist ein weiteres Plus. \r\n\r\nZu einer Hebamme will frau Vertrauen fassen und sie kennen. Sie sollte sich Zeit nehmen und die Wünsche der Mutter respektieren. Wievielen Schwangeren wird bei der Klinikbesichtigung versprochen, sie hätten ein Mitspracherecht, könnten bestimmen, wie sie die Geburt gestalten. Da wird gezeigt, dass man auf Ball, Geburtshocker oder gar im Stehen am Halteseil entbinden kann. Ob Sprossenwand oder Wanne, für jede werdende Mutter ist etwas dabei. Doch die Realität sieht vielfach anders aus. Wenn man dann in der Klinik ist, wird gesagt, man dürfe nicht herum laufen. Das würde die Geburt nicht in Gang bringen. \r\nMan hatte sich aber informiert, dass genau das Gegenteil hilfreich sein könnte. Am Ende sieht sich die Frau nicht auf Geburtshocker oder in der Wanne entbinden, sondern auf dem Geburtsbett in Käferstellung, so wie sie es nicht wollte. In dieser Situation, wo die Kreißende so verletzlich ist und Zuwendung braucht, wird sie zu etwas gedrängt, was ihr widerstrebt. \r\n\r\nAber wie kann man sich gegen diese Behandlung wehren, wenn man auf die Hilfe der Geburtshelfer angewiesen ist?\r\nWird dann noch angeführt, dass die Maßnahmen fürs Baby besser sind, ist ihr das Zepter aus der Hand genommen. Welche Mutter würde sich davon nicht beeindrucken lassen? \r\nIm Gegensatz zu einer Hausgeburt, ist die Klinikgeburt also intensiver Fremdbestimmung unterworfen. Frauen, die das erlebt haben, wissen beim nächsten Kind, was sie wollen und vor allem, was sie nicht wollen. Gezielt suchen sie sich eine Hebamme aus, mit der man die Geburt plant und alles abspricht, was eintreten könnte. Eine vertrauensvolle Basis macht es möglich, die Geburtsgestaltung in vielen Facetten abzusprechen. Der Hausgeburtshebamme kann man vorher sagen, was man auf keinen Fall möchte. Sie kann der Frau erklären, ob es medizinische Gründe für oder gegen diese Wünsche gibt. \r\n\r\nDas wichtigste ist aber: Keine Hebamme wird sich für eine Hausgeburt entscheiden, bei der schon in der Schwangerschaft viele Probleme auftraten und Geburtsrisiken zu erwarten sind. Sollten bei einer sehr gut verlaufenden Schwangerschaft trotz allem Schwierigkeiten bei der Entbindung auftreten, kann man immer noch gemeinsam in die Klinik fahren oder einen Notarzt rufen. Für Frauen, die eine Mischung von Klinik und Hausgeburt bevorzugen, gibt es die Möglichkeit einer Geburtshausentbindung. Dort ist eine sehr private Atmosphäre, trotz aller hilfreichen Apparate. Auch kann man nach der Geburt, wenn man noch nicht so fit ist, dort auch einige Tage unter liebevoller Betreuung zubringen. \r\n\r\nWenn man sich für eine Hausgeburt entscheidet, sollte man folgendes beachten:\r\n

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  • Suchen Sie sich eine Hebamme, die Erfahrungen mit Hausgeburten und eine gewisse Gelassenheit hat
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  • Versuchen Sie selbst Entspannungs- und Atemtechniken zu erlernen, um gut auf die Anforderungen vorbereitet zu sein
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  • Entwickeln Sie Selbstbewusstsein und eine positive Einstellung zur Geburt (haben Sie Vertrauen in Ihren Körper)
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  • Suchen Sie sich eine Betreuungsperson, die während der Geburt für Sie da ist und auch der Hebamme zur Hand geht. Dafür gibt es neuerdings im deutschen Sprachraum die Doulas.
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  • Prüfen Sie vorab, ob Sie per Telefon einen Notarzt anfordern können (Hebammen kennen sich auch mit den Gegebenheiten aus)
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  • Bitten Sie die Hebamme, für Schmerzmedikamente, Sauerstoff und Stethoskop zu sorgen
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  • Die Wohnung sollte sauber und bequem sein. Denken Sie im Winter daran, die Wohnung gut zu heizen. Im Sommer sollte eine gute Lüftung möglich sein.
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  • Sprechen Sie mit Ihrer Hebamme, welche Risiken eine Hausgeburt birgt und wie Sie dann vorgehen wollen.
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\r\n\r\nWas bei der Entscheidung zur Hausgeburt helfen kann, sind Bücher wie „Hausgeburt“ von Sheila Kitzinger. Dort sind auch die Klinik- und Hausgeburtsrisiken gegeneinander abgewogen. Die Statistiken zur Sicherheit einer Hausgeburt vs. Spitalgeburt sind belegt und erklärt. Es wird klar, dass manche Geburtsrisiken in der Klinik durch Stress, Dienstpläne und Überlastung des Personals hausgemacht sind. Die Hausgeburt geht ruhiger zu, weil niemand drängt, dass man noch vor Schichtende mit der Geburt fertig sein müsse. Die Gebärende erhält zu Hause auch keinen Wehentropf wider Willen. Für jede Mutter, die sich mit dem Gedanken trägt eine Hausgeburt zu versuchen, kann dieses Buch zur Entscheidungsfindung beitragen. \r\n

Author Bio

Julia Nestler

Hallo lieber Leser,\r\n\r\nmein Name ist Julia Nestler. Die meisten kennen mich jedoch als Juli. Ich bin die Inhaberin von croco - für klein und größer, wo du alles rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt und die ersten Babyjahre findest, was du so brauchst.\r\n\r\nZudem bin ich Trageberaterin der Trageschule Dresden und stehe dir gern zur Seite, wenn du Hilfe bei einem Tragesystem brauchst, egal ob es sich um ein Tragetuch oder eine Tragehilfe handelt. Wenn du irgendwelche Fragen hast, dann schreib mir einfach eine Mail oder hinterlass mir über den Blog eine Nachricht, damit ich dir auf schnellstem Wege antworten kann.\r\n\r\n

3 Comments
  1. Henri

    26. Mai 2011 at 17:43

    Definitiv wahnsinnig! Im Extremfall ist man doch froh, wenn im Krankenhaus alle nur erdenklichen Maßnahmen ergriffen werden können, um ggf. das Leben von Mutter und Kind zu retten.

  2. sabine

    27. Mai 2011 at 20:15

    Mhm… ich glaube es ist genau die paranioa bei der dann erst recht irgendetwas schief geht. Früher kamen doch auch ALLE babys ohne krankenhaus und kaiserschnitt auf die welt oder – und das gleiche ist doch in den urvölkern auch der fall… ich finde hausgeburten toll!

  3. ina

    14. Dezember 2012 at 14:25

    Immer wieder Hausgeburt! Ich habe mein erstes Kind zu Hause mit meinem Mann und meiner Hebamme entbunden und kann dies nur jeder anderen werdenen Mama empfehlen.\r\nDie Kritiker der Hausgeburt berufen sich immer wieder auf Risiken, Verlust wichtiger Zeit und Komplikationen. Es ist aber Gott sei Dank so, dass man in der Hausgeburtshilfe die Art von Komplikationen wie man sie bei normalen Klinikgeburten immer wieder hört, fast gar nicht kennt. Alle Kritiker sollten zum Spass mal nach negativen Erfahrungsberichten von Hausgeburten suchen….sie werden keine „richtigen“ finden. Das einzig negative was gefunden wird, sind ca. 5% abgebrochene in die Klinik verlegte Geburten. Und im Anschluss suchen sie bitte mal nach negativen Erfahrungsberichten bei Klinikgeburten. Ich bin gespannt… =) Eine entspannte Gebärende ist seit jeher das wichtigste und das erreicht man nun mal wunderbar in den eigenen vier Wänden…und auf diese Art ein neues Leben zu begrüßen hat im Gegensatz zu den kritischen Meinungen ganz schön viel mit Verantwortungsbewusstsein zu tun!

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