Der Elternführerschein

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Einen Führerschein machen für die Elternschaft? Vor einigen Jahrzehnten noch undenkbar, galt doch die Mutterschaft und das Eltern werden als eine Selbstverständlichkeit, die einfach zum Leben dazugehörte für jede Frau und jeden Mann und einfach irgendwie gemeistert wurde mit den Mitteln die man hatte. Heute wird sehr viel darüber nachgedacht ob und wie und wollen wir oder lieber doch nicht.\r\n\r\nSind wir alt genug, haben wir Geld genug für ein Kind und können wir dem Kind überhaupt etwas bieten, sind wir zu jung oder vielleicht doch schon zu alt? Die Verunsicherung ist groß weil alles so komplex geworden ist in unserer Gesellschaft, gerade weil jeder meint alles perfekt machen zu müssen. Dazu kommt die Auflösung der Familie und der Großfamilie. Viele junge Paare stehen ganz alleine da und haben keine Omas und Opas um die Ecke, die vielleicht mit ihrer Erfahrung zur Seite stehen könnten, oder es wurden in der eigenen Kindheit schon kaum noch Inhalte vermittelt, die zur Gründung einer Familie verwendet werden könnten. Viele junge Frauen sind sehr verunsichert und schnell überfordert und wissen einfach nicht wie man am besten mit alltäglichen kleinen Problemen oder auch größeren pädagogischen Fragen umgeht. Aus diesen Problemen heraus ist die Idee eines Elternführerscheins entstanden und die Frage ist nun, macht es Sinn junge unerfahrene Menschen im Umgang mit ihrem Kind zu schulen? In die Schule gehen, um das eigene Baby irgendwie groß zu bekommen?\r\n\r\n\r\nZu diesem Thema haben wir ein Interview mit Johanna Windisch von jobs|mit|herz gemacht. Sie ist Pädagogin, seit über zehn Jahren in diesem Bereich tätig und seit drei Jahren Geschäftsführerin von jobs mit herz. Aber Sie ist auch Mutter von zwei Kindern, 2 und 4 Jahre alt. \r\n\r\n\r\n\r\nInterview:\r\n\r\n1.) Wie wird der Elternführerschein angenommen?\r\n\r\nSehr unterschiedlich. Eltern, die ihn besucht haben, sind meist positiv überrascht, wobei sich die verschiedenen Anbieter der so genannten Elternführerscheine qualitativ und inhaltlich auch stark unterscheiden. Der Großteil der Eltern geht, zum Teil berechtigt, davon aus, eine solche Schulung nicht nötig zu haben. Interessanter Weise machen viele Eltern erst beim zweiten oder sogar dritten Kind von einem derartigen Angebot Gebrauch – dann, wenn sie bemerkt haben, dass man auch als Mama oder Papa irgendwann einmal an seine Grenzen stößt und nur noch Fragezeichen im Kopf hat.\r\n\r\n2.) Braucht man heute einen Führerschein um Kinder zu haben?\r\n\r\nNein. Was Eltern brauchen, um die Kinder an ihrer Seite entspannt groß werden zu lassen, ist Unterstützung. Finanziell, aber vor allem emotional. Ich vergleiche das gerne mit einer Tankstelle. Diejenigen, die ihre ganze Kraft in das Management in die Beziehungen innerhalb der Familie investieren, müssen auch irgendwo Kraft tanken. Doch da funkt nicht nur der Perfektionismus der Eltern dazwischen („Ich muss alles alleine schaffen!“), sondern auch die fehlende Großfamilie. Fakt ist: Eltern mussten es noch nie ganz alleine schaffen! Ich glaube daher fest daran, dass liebende Eltern versuchen, es richtig zu machen – nach bestem Wissen und Gewissen. Doch dass Perfektion und Isolation diese Instinkte oft unter einer dicken Staubschicht begraben. \r\n\r\n\r\n\r\n3.) Wäre es nicht sinnvoller bereits vor oder in der Schwangerschaft anzusetzen?\r\n\r\nAuf jeden Fall. Und es ist ganz einfach zu erklären, warum: In Familienvorbereitungskursen wie auch ich sie anbiete haben die Eltern meist kaum Stress. Sie bereiten sich auf Eventualitäten vor, ohne dass sie an meinen Lippen hängen und warten, dass ich endlich eine Lösung für ihr akutes Problem ausspucke. Dabei stecken die besten Lösungen doch in ihnen selbst! Daher vermittle ich ihnen Einblicke in das Verhalten des Babys und gebe ein paar Werkzeuge in die Hand, um in einer Akutsituation eine für sie passende Lösung zu finden. Klingt doch herrlich entspannt und einfach – und das ist es auch.\r\n\r\n4.) Hat nicht jeder ausreichend intuitive Fähigkeiten um seinen Nachwuchs zu verstehen und entsprechend zu „erziehen“?\r\n\r\nIch habe die Ehre, die Tochter meiner Mama zu sein, die sich seit einigen Jahren in Afrika engagiert. Dank ihr habe ich auch viel Einblick in Völker, die sich scheinbar viel weniger Stress machen, als wir in Mitteleuropa. Der größte Unterschied: Die Mütter dort sind bereits sehr erfahren. Eine Familie agiert dort von Anfang an als Familie. Ein ganzes Dorf kümmert sich um ein Baby. Und die Mutter, die trotz allem die größte Verantwortung trägt, wird von ihren Mitmenschen verwöhnt. Wie gesagt, das Bild von der Tankstelle kommt nicht von irgendwo. Durch diese Nähe entsteht auch viel Intuition. Eltern raten nicht, wenn ihr Baby weint – sie erkennen durch ständigen Körperkontakt sofort, was ihr Baby braucht. Das entspannt und gibt das schöne Gefühl: „Ich kann das! Wir schaffen das!“ So geht es uns doch auch, wenn sich das weinende Baby in unseren Armen seufzend beruhigt.\r\nIch will damit sagen, dass Eltern ganz ohne Zweifel alles haben, um Kinder „richtig zu erziehen“. Der Elternführerschein ist daher für mich die falsche Formulierung. Denn das würde ja heißen, man gehe ohne jede Ahnung in einen Kurs und müsse sich dort Wissen aneignen – wie beim Autoführerschein eben. Das ist nicht, was ich vermitteln will. Eltern machen das großartig! Es geht nur darum, manche Dinge anders zu machen, damit das ohnehin schon herausfordernde Familienleben einfacher wird. Oder sich vorzubereiten, damit manche Fragezeichen gar nicht erst entstehen.\r\n\r\n\r\n\r\n5.) Woran liegt es, dass viele diese Intuition in der heutigen Zeit nichtmehr nutzen können bzw. ihr nicht mehr vertrauen?\r\n\r\nIch vertrete da die Staubschichttheorie. Die fehlende Großfamilie, die hohen Ansprüche, zig Internetforen und die anderen Mamis in der Spielgruppe – Familien haben heute die Herausforderung zu meistern, einen neuen Weg zu gehen. Und dabei den von unseren Eltern und Großeltern vorgetrampelten Weg zu verlassen. Wenn links und rechts ständig andere „Hierher!“ brüllen, kommt man gar nicht in den Genuss, sich auch mal selbst ins Abenteuer Familie zu stürzen – Fehler und selbst erreichte Ziele inklusive. Letzteres würde Familien aber stärken! Schritt für Schritt den Weg zu ertasten, der sich richtig anfühlt. Bei dieser Entscheidung möchte ich Eltern die Hand geben und begleiten. Aber ohne „Hierher!“ zu rufen, sondern höchstens mal durch eine Landkarte als Orientierungshilfe.\r\n\r\n6.) Welche Inhalte wären sinnvoll?\r\n\r\nGeburtsvorbereitungskurse bereiten auf medizinische und gesundheitliche Themen vor – was ich sehr wertvoll finde! Ein Paar das weiß, was sie bei der Geburt erwartet, kann entspannter in dieses wunderbare Abenteuer gehen. Eine Frau, die sich schon im Vorfeld über das Stillen informiert hat, ist vorbereitet und hat vielleicht schon die wichtigsten Globuli zu Hause. Was aber, wenn andere Themen im Mittelpunkt stehen? Was, wenn sich die Partnerschaft völlig verändert und die Fetzen fliegen? Was, wenn der Frauenkörper anders aussieht, als vor der Schwangerschaft und Auslöser für viel Unsicherheit wird? Was, wenn das süße Baby plötzlich stundenlang schreit? Was, wenn es mit 10 Monaten immer noch nicht durchschläft? Und wie viel Fremdbetreuung ist „erlaubt“? Inhalte von qualitativ wertvollen Kursen kommen aus genau diesen Fragestellungen und sind für jedes Elternpaar wertvoll – ich gebe für meine Kurse sogar eine so genannte „Hilfreichgarantie“.

Author Bio

Julia Nestler

Hallo lieber Leser,\r\n\r\nmein Name ist Julia Nestler. Die meisten kennen mich jedoch als Juli. Ich bin die Inhaberin von croco - für klein und größer, wo du alles rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt und die ersten Babyjahre findest, was du so brauchst.\r\n\r\nZudem bin ich Trageberaterin der Trageschule Dresden und stehe dir gern zur Seite, wenn du Hilfe bei einem Tragesystem brauchst, egal ob es sich um ein Tragetuch oder eine Tragehilfe handelt. Wenn du irgendwelche Fragen hast, dann schreib mir einfach eine Mail oder hinterlass mir über den Blog eine Nachricht, damit ich dir auf schnellstem Wege antworten kann.\r\n\r\n

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